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Noch immer scheuen sich HR-Verantwortliche davor, Korperbehinderten einen Job zu geben
Wien. Michael S. hat sein Studium erfolgreich abgeschlossen
und bewirbt sich bei einem internationalen Konzern. Das Resultat: Statt der
Einladung zu einem Vorstellungsgespräch gibt es ein bedauerndes
Tut-uns-leid, aber-Schreiben. Herr S. will es genau wissen und bittet einen
Freund aus Studientagen, sich ebenfalls (mit denselben Qualifikationen) bei
demselben Unternehmen zu bewerben. Hier flattert binnen Wochen die Aufforderung
zu einem persönlichen Gespräch ins Haus. Eine traurige Probe aufs
Exempel. Denn: Michael S. sitzt im Rollstuhl, sein Freund ist gesund. Leider
kein Einzelfall, denn die Vorurteile gegenüber Körperbehinderten sind
in der Berufswelt nach wie vor tief verankert.
Michael Sicher hat seinen Erfolgsweg dennoch bestritten. Heute hat er mit BUSYPEOPLECOACHING seine eigene Beraterfirma und engagiert sich nebenbei für mehr Toleranz und Aufklärung in Bezug auf Körperbehinderung und Beruf. Warum ist die Hemmschwelle noch immer so hoch, wollen wir von ihm wissen. "Aus Informationsmangel und wegen Berührungsängsten. Wer in seiner Familie oder in seinem Bekanntenkreis keinen Rollstuhlfahrer hat, bekommt nur selten die Möglichkeit, mehr Zeit mit einem zu verbringen um festzustellen, dass der Rollstuhl schon nach kurzer Zeit gar nicht mehr bewusst wahrgenommen wird."
Zudem liege dem Ganzen eine banale aber zentrale Frage zugrunde. Der Wirtschaftsinformatiker: "Warum soll sich ein Unternehmen mit Fragen der Anstellung eines behinderten Menschen befassen, wenn es auch gesunde Mitarbeiter einstellen kann." Die Vorurteile würden vor allem die Leistungsfähigkeit betreffen, doch der Unternehmensberater wägt ab: "Leistung beginnt im Kopf, für viele Jobs muss ich nicht übermäßig mobil sein. Wo bitte sollte der Unterschied liegen, ob ein guter Mitarbeiter seine Arbeit aus einem Rollstuhl oder aus einem Bürosessel heraus erledigt?" Bei Arbeitskollegen oder Kunden dagegen wären so gut wie keine Vorurteile spürbar. "Aus meiner Erfahrungen haben diese nach einer kurzen Kennenlernphase absolut kein Probleme damit", sagt Michael Sicher. Im Gegenteil: "Manchmal erfährt man fast zu viel Anerkennung, weil man es trotz Handicap geschafft hat und sein Leben meistert."
Barrieren für einen Rollstuhlfahrer gäbe es im Berufs- genauso wie im Alltagsleben aber dennoch. "Bauliche Gegebenheiten können tatsächlich zu einer fast unüberwindbaren Hürde werden. Angefangen von Stufen über zu kleine Aufzüge bis hin zu fehlenden behindertengerechten WCs." Was für Arbeitgeber noch einen zusätzlichen Hemmschuh gegenüber einem behinderten Bewerber darstellt, ist der Kündigungsschutz gemäß Behinderteneinstellungsgesetz. "Aus meiner Sicht ist diese Begünstigung, die dieser Kündigungsschutz eigentlich schaffen sollte, in der Praxis ziemlich fraglich. Stattdessen hat sie eher den negativen Effekt, dass sie den Aberglauben forciert, einen begünstigten Behinderten nie wieder loswerden zu können", bedauert Michael Sicher, und auch mit der Arbeit von einigen Behindertenvertretungen ist er nicht ganz zufrieden. "Ich bin der Meinung, dass sie sich überlegen sollten, die Leistungen von behinderten Menschen in den Vordergrund zu stellen, anstatt bei jeder Gelegenheit darüber zu jammern, wie schwer es doch die armen Behinderten haben und einmal das würdigen, was bereits möglich ist." Michael Sicher: "Aus meiner Sicht sollte ein Unternehmen einen Behinderten aus denselben Gründen einstellen wie einen Nicht-Behinderten. Wegen seiner Persönlichkeit, seinen Qualifikationen, seinen Erfahrungen."
Mit der Gründung des Forums Success trotz Handicap will Michael Sicher nun Personalverantwortlichen zeigen, dass Menschen mit Behinderung auch eine Bereicherung für ein Unternehmen darstellen können. Durch Networking und entsprechende PR sollen Personalisten "für diese Initiative begeistert werden. Ich zeige das an praktischen Beispielen, also an erfolgreichen Menschen mit Behinderung. Wer würde schon auf die Idee kommen, bei Stephen Hawking auf den Rollstuhl zu schauen, wenn er die Frage nach dem Überleben der Menschheit stellt?"
Und manchmal, da kann eine Behinderung sogar von Vorteil sein: "Da ich in meinem Alltag oft mehr berücksichtigen muss, habe ich Übung im Vorausdenken und im Finden von kreativen Lösungen. Das alles kommt meinen Kunden im Coaching zugute. Und hin und wieder ist meine etwas andere Lebenserfahrung und mein persönlicher Erfolg ein gewisser USP, den meine Kunden zu schätzen wissen."
BUSYPEOPLECOACHING
www.busypeoplecoaching.at
sicher@sicher.at
Mobil: 0650 6742437
(medianet, 8. 9. 2006, Marion Genetti)
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